Die Kunst der Pressemitteilung: Wie du Redakteure wirklich erreichst

Ein Nahaufnahme-Foto eines geöffneten Laptops auf einem Holztisch, auf dem der Posteingang eines E-Mail-Programms zu sehen ist. Die Benutzeroberfläche ist auf Deutsch und zeigt eine Liste von E-Mails, von denen eine mit dem Betreff „Künstler: Max Mustermann Presse: Monumentale Malerei in alter Gießerei“ ausgewählt ist. Die Hand einer Person mit einem Ehering bedient den Trackpad des Laptops, während links daneben eine Tasse Kaffee und ein Notizbuch mit einem Stift stehen. Der Hintergrund ist leicht unscharf.

Viele Kreative hoffen, dass die Arbeit „für sich spricht“ – und die Presse sie dann schon findet. In der Realität sind Redaktionen dünn besetzt, entscheiden schnell und arbeiten mit knappen Zeitfenstern. Wenn du dort stattfinden willst, brauchst du keinen Zaubertrick, sondern eine klare Übersetzung: Dein Projekt muss sofort als berichtenswerte Story erkennbar sein.

Eine gute Pressemitteilung ist deshalb nicht der Ort für Poesie. Sie ist ein Service-Dokument: klar, verwertbar, professionell.

Die goldene Regel: Mach es ihnen leicht

Ein Redakteur sucht keine Rätsel, sondern eine Geschichte. Wenn er erst drei Absätze braucht, um zu verstehen, was genau passiert – und wann, wo und warum – ist die Mail meist schon erledigt.

Denk deine Pressemitteilung als Einladung:
„Hier ist ein Thema, das zu deinem Medium passt – und hier sind die Fakten, damit du sofort arbeiten kannst.“

Eine Komposition aus drei weißen Karten, die senkrecht auf einem hellen Holztisch stehen und jeweils einen Teil einer Pressemitteilung darstellen: "Headline", "Lead" und "Material". Links hält eine Hand eine Karte, die mit "Headline" und "H1" überschrieben ist, sowie dem Titel "Neue Kunstform: Die Stille der Gießerei." Die mittlere Karte zeigt "Lead", "5W" und den Einführungstext zur Ausstellung. Die rechte Karte ist mit "Material", "Link" und einer Liste von Downloads wie hochauflösenden Bildern und einer URL versehen.

Die 3 Säulen einer effektiven Pressemitteilung

1) Die Schlagzeile: Der Hook

Vermeide Überschriften, die nur ankündigen, dass etwas stattfindet („Neue Ausstellung von …“). Das ist kein Anlass – das ist ein Kalender-Eintrag.

Besser: Was ist das Besondere, das darüber hinausgeht?

  • ungewöhnlicher Ort
  • starke lokale Verbindung
  • aktueller Bezug
  • klare Bildidee
  • überraschende Kooperation

Beispiel:
Statt: „Neue Ausstellung von Max Mustermann“
Besser: „Industriebrache wird zur Leinwand: Max Mustermann zeigt monumentale Malerei in der alten Gießerei“

2) Der Lead: Die 5 W-Fragen

In den ersten drei Sätzen muss alles stehen, was für die schnelle Einordnung nötig ist:
Wer, was, wann, wo, warum.

Der Redakteur muss sofort entscheiden können:
Ist das relevant für meine Leser? Passt das in meinen Plan?

Tipp: Schreib den Lead so, dass er im Zweifel 1:1 übernommen werden könnte.

3) Das Material: Der unsichtbare Türöffner

Die beste Story scheitert oft am fehlenden Material. Schicke keine schweren Anhänge und keine chaotischen Bildsammlungen. Besser ist ein klarer Download-Link (Pressekit), der Folgendes enthält:

  • 3–5 Pressebilder (hochaufgelöst)
  • Bildcredits & Nutzungsrechte (klar, schriftlich)
  • Kurzbiografie (Fakten, keine Prosa)
  • kurzes Statement zur aktuellen Arbeit (druckfähig, 3–6 Sätze)
  • Kontakt (Name, Telefon, Website, Social, ggf. Presse-Ansprechpartner)

Tonfall: Sachlich statt schwärmerisch

Deine Kunst darf emotional sein – die Pressemitteilung sollte es nicht. Vermeide Superlative wie „einmalig“, „genial“ oder „nie dagewesen“. Das wirkt selten überzeugend, oft eher wie Werbung.

Ein sachlicher Ton signalisiert: Hier arbeitet jemand professionell.
Und genau das macht es für Redakteure einfacher, dich ernst zu nehmen und dich zu platzieren.

Ein Nahaufnahme-Foto eines Mannes, der mit einem grauen Marker einen Kreis auf einen Wandkalender zeichnet, der auf einem hellen Holztisch liegt. Der Mann hält den Marker in seiner rechten Hand, die auf der 24. Box des Kalenders für den Monat Oktober positioniert ist. Das Wort "Oktober" steht in großen, fetten, schwarzen Buchstaben oben auf dem Kalenderblatt. In der unteren, rechten Ecke des Kreises steht das Wort "PRESSEMATERIAL DEADLINE". Die 24 steht im Zentrum des Kreises. Links von der 24, in der Box für den 23., steht das Wort "VORBEREITUNG". Der Hintergrund ist leicht unscharf, aber im linken, oberen Bereich ist eine Kaffeetasse und eine Notizblock mit einem Stift zu sehen. Die Beleuchtung ist weich und natürlich.

Timing: Der strategische Moment

Selbst eine gute Story verliert, wenn sie zu spät kommt.

  • Monatsmagazine: 2–3 Monate Vorlauf
  • Tageszeitungen: ca. 2 Wochen vorher, 3 Tage vorher kurz nachfassen
  • Online-Portale: 1 Woche Vorlauf ist oft ideal

Der Artpreneure-Impuls: Pressemitteilung ist kein Betteln

Eine Pressemitteilung ist kein „Bitte berichtet über mich“. Sie ist ein Angebot zur Zusammenarbeit: Du lieferst ein Thema plus Material, das sich schnell publizieren lässt. Die Redaktion liefert Reichweite und kulturelle Einordnung.

Begegne Redaktionen auf Augenhöhe – als Partner im Kulturbetrieb.

Praxis-Check vor dem Senden

Bevor du auf „Senden“ klickst, prüfe kurz:

  • Ist in den ersten drei Sätzen alles klar (5W)?
  • Ist die Überschrift eine Story – nicht nur eine Ankündigung?
  • Gibt es ein sauberes Pressekit per Link (Bilder, Rechte, Bio, Statement, Kontakt)?
  • Ist der Ton faktisch, ruhig, professionell?
  • Könnte ein Redakteur daraus in 15 Minuten einen Artikel bauen?

Wenn ja: raus damit.

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