Absagen und Kritik aushalten, ohne dich selbst zu verlieren

Künstlerin sitzt morgens mit Tee am Fenster, im Hintergrund ein unfertiges Gemälde (KI-generiert)

Die E-Mail kommt an einem ganz normalen Vormittag. „Vielen Dank für Ihre Bewerbung, leider müssen wir Ihnen mitteilen …“ Du liest nur diesen einen Satz und weißt schon, wie es weitergeht. Dann sitzt du da, mit dem Handy in der Hand, und die Gedanken laufen los. War ich nicht gut genug? Hätte ich es anders machen sollen? Sollte ich vielleicht ganz aufhören?

Wenn du das kennst: Du bist in guter Gesellschaft. Ich kenne kaum einen Künstler, der nicht schon Absagen bekommen hat. Und ich kenne viele, die an einer einzigen Absage wochenlang gekaut haben.

Warum es so wehtut

Bei Kunst ist die Arbeit nicht von der Person zu trennen. Wenn jemand dein Werk ablehnt, fühlt es sich an, als würde er dich ablehnen. Das ist menschlich. Aber es ist ein Trugschluss, und je früher du ihn erkennst, desto leichter wird dein Weg.

Eine Absage sagt etwas über die Passung in einem bestimmten Moment. Sie sagt nichts über deinen Wert als Mensch und nicht automatisch etwas über die Qualität deiner Arbeit. Jurys haben Vorgaben, Galerien ein Programm, Veranstalter ein Budget, ein Thema, eine Stimmung. Manchmal bist du einfach der richtige Künstler zur falschen Zeit.

Wie du mit einer Absage umgehst

1. Gib dir einen Tag. Du darfst enttäuscht sein. Ärger, Traurigkeit, Frust gehören dazu. Wichtig ist nur, dass du in dieser Phase keine großen Entscheidungen triffst, schon gar nicht über deine Zukunft als Künstler.

2. Trenne Information von Urteil. Frag dich: Was ist hier eine Tatsache, und was habe ich daraus gemacht? Tatsache: Dieses Projekt wurde nicht ausgewählt. Urteil: Ich bin nicht gut genug. Der zweite Satz steht nirgends in der Mail.

3. Hol dir nach Möglichkeit Rückmeldung. Manche Ausschreibungen erklären auf Nachfrage, woran es lag. Das ist nicht immer möglich, aber ein freundlicher Satz kostet nichts. Du bekommst oft ehrlichere Antworten, als du denkst.

4. Sammle deine Absagen. Das klingt seltsam, aber es hilft. Führe eine Liste mit allem, was du eingereicht hast. Wer sie liest, sieht schnell: Es gab nicht nur Absagen, sondern auch Zusagen, und beides gehört zu derselben Bewegung. Wer nichts einreicht, bekommt auch keine Absage, aber eben auch nichts anderes.

5. Mach etwas Kleines, das nach vorn zeigt. Schick eine neue Bewerbung raus, schreib einer Person, die du schätzt, oder geh ins Atelier. Handeln beruhigt mehr als Grübeln.

Und wenn die Kritik von Menschen kommt, die dir nahestehen?

Das ist oft die schwerste Form. Ein Satz von der Familie, von Freunden oder Kollegen, der leise trifft. „Und davon kannst du leben?“ oder „Das ist ja nicht so mein Geschmack.“

Du musst nicht jede Meinung ernst nehmen. Frag dich bei Kritik immer: Kommt sie von jemandem, der mich und meine Arbeit versteht? Will diese Person, dass ich wachse? Hilfreiche Kritik ist konkret und bringt dich weiter. Alles andere darfst du mit einem freundlichen Nicken zur Kenntnis nehmen und liegen lassen.

Was ich dir mitgeben möchte

Auf der Bühne habe ich gelernt: Nach jeder Vorstellung gibt es Applaus und es gibt Kritik. Und am nächsten Abend geht der Vorhang wieder auf. Wer bleibt, wächst. Eine Absage ist kein Schlusspunkt. Sie ist ein Zwischenstand.

Deine Kunst hat ihren Platz. Manchmal dauert es nur, bis ihr euch findet.

Weiterlesen: Lampenfieber vor der eigenen Sichtbarkeit: Wie du den Schritt auf die Bühne wagst · Wie du Selbstzweifel als Künstler überwindest · Deine Kreativität wird triggern – Tu es trotzdem

Warenkorb
Nach oben scrollen