„Leider können wir Ihr Projekt nicht berücksichtigen.“ Ein Satz, der in der Brust zieht. Ein Projekt, auf das du monatelang hingearbeitet hast, wird nicht gefördert. Nicht, weil es schlecht war, sondern weil der Topf kleiner geworden ist. Vielen Künstlern geht es gerade genau so. Und jedes Mal ist da dieser Moment, in dem sich etwas zusammenzieht.
Der Hintergrund ist real. In mehreren Städten und Ländern wurden die Kulturhaushalte für 2026 und 2027 gekürzt, teils pauschal. In Karlsruhe zum Beispiel um fünf Prozent pro Förderung, andernorts fielen einzelne Programme ganz weg. Besonders spüren das die freie Szene und kleinere Projekte.
Ich will dir an dieser Stelle nichts schönreden. Aber ich möchte dir etwas anderes zeigen: Was du selbst in der Hand hast.
Das Problem mit nur einem Bein
Wer sein Einkommen auf eine einzige Quelle stützt, steht auf einem Bein. Das gilt für die Förderung genauso wie für den einen großen Auftraggeber oder die eine Galerie. Es geht nicht darum, Förderungen zu meiden. Sie bleiben wertvoll. Es geht darum, dass dich ein einzelner Wegfall nicht umwirft.
Auf der Bühne nennt man das Besetzung. Kein Stück hängt an einer einzigen Person. Warum sollte es dein Einkommen tun?
Vier Beine, auf denen du stehen kannst
1. Dein Werk direkt verkaufen. Originale, Drucke, Editionen, Auftragsarbeiten. Wer seine Arbeit direkt anbietet, ist nicht von einer Jury abhängig. Dafür brauchst du einen Ort, an dem Menschen kaufen können, und eine klare Art, darüber zu sprechen.
2. Dein Wissen weitergeben. Du kannst etwas, das andere lernen möchten. Workshops, Einzelstunden, Kurse, Mentoring. Das ist keine Notlösung, sondern oft eine der erfüllendsten Einnahmequellen, weil du dabei nicht nur gibst, sondern auch wächst.
3. Aus einer Arbeit mehrere Angebote machen. Ein Gemälde kann ein Original sein, ein Druck, ein Kalender, ein Motiv für eine Auftragsarbeit. Ein Text kann ein Vortrag, ein Workshop und ein kleines Heft werden. Frag dich: Was kann ich aus dem, was ich schon habe, noch machen?
4. Kooperationen und Aufträge von Unternehmen. Viele Firmen, Praxen, Hotels und Gastronomen suchen echte Kunst und echte Künstler. Das ist oft ein Markt, den man gar nicht auf dem Schirm hat.
Ein ehrlicher Satz zum Tempo
Ein zweites oder drittes Bein baut sich nicht über Nacht auf. Du musst nicht alles gleichzeitig tun. Such dir ein Bein aus, das zu dir passt, und fang klein an. Ein Angebot. Ein Testlauf. Ein erstes Gespräch.
Wie du anfängst
Schreib auf, woher dein Geld im letzten Jahr gekommen ist. Wie viele Quellen sind es? Wie viel hängt an der größten? Dann such dir die eine Idee aus den vier oben, die dich am meisten neugierig macht, und überlege, was der kleinste mögliche erste Schritt wäre. Nicht der perfekte. Der kleinste.
Abhängigkeit fühlt sich sicher an, bis sie es nicht mehr ist. Unabhängigkeit fühlt sich anfangs unbequem an, aber sie gehört dir. Genau darum geht es bei Artpreneurship: dass du deine Kunst und dein Einkommen selbst in die Hand nimmst, ohne deine Handschrift zu verlieren.
Weiterlesen: Kunstpreis & Gage: Warum sie nichts über deinen Wert sagen · Steigere den Wert deiner Kunst ohne Rabatte · Artpreneurship für Künstler: Das Buch für deinen selbstbestimmten Weg







